Ein intensiver Blick in den menschlichen Abgrund

Bilder: Daniel Beer — Das war’s: Marie (Hella Marie Schmitz) bekommt von Woyzeck (Sebastian Brings) die Strafe für ihr Verhalten.

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Ein intensiver Blick in den menschlichen Abgrund

Gummersbach – Georg Büchners Woyzeck feiert gelungene Premiere im Bruno Goller-Haus.

Von Daniel Beer

Millionen deutsche Schüler haben in der Abiturprüfung schon über dem Text geschwitzt, der exzentrische Schauspieler Klaus Kinski hat ihn schon verkörpert, jetzt hat sich eine junge Schauspieltruppe aus dem Bruno Goller-Haus Georg Büchners „Woyzeck“ angenommen. Gestern feierte das Drama vor einem gut gefüllten Zuschauerraum Premiere. Die Darsteller nahmen das Publikum auf eine teils lustige, teils verstörende und bisweilen groteske Reise mit, die nach gut eineinhalb kurzweiligen Stunden endete und mit viel Applaus belohnt wurde.

[Der Doktor (Wolfgang Pack) hält sich für einen Halbgott in Weiß – sehr zum Leidwesen des armen Woyzeck.]    

Mit „Woyzeck“ hat sich das Ensemble einen nicht gerade leichten Stoff ausgesucht, um mit dem Bruno Goller-Haus auf die Zielgerade zu biegen, bevor es für die Kulturstätte in die Halle 32 gehen soll. Das Stück trägt den Untertitel „Ein Fragment“, denn die Geschichte wird in unterschiedlichen Episoden erzählt.

Wie diese einzelnen Fragmente genau zusammengehören, weiß bis heute niemand so richtig. Büchner verstarb vor der Vollendung von „Woyzeck“. Der BGH-Inszenierung gelingt es dennoch, den Figuren und Ereignissen rund um die titelgebende Hauptfigur viel Leben und Emotionen einzuhauchen.

Woyzeck, überzeugend gespielt von Sebastian Brings, ist als einfacher Soldat nicht gerade vom Glück geküsst. Halt gibt ihm einzig sein Kind und seine schöne Frau Marie, verkörpert von Hella Marie Schmitz, die sich die Rolle abwechselnd mit Paula König teilt. Neben dem Hauptmann (Claus Weyers), der Woyzeck nur allzu gerne verhöhnt und demütigt, lässt sich Woyzeck zur Aufbesserung der klammen Haushaltskasse vom skrupellosen Doktor (Wolfgang Pack) als Versuchskaninchen missbrauchen und auf Erbsendiät setzen. Als er dann auch noch den Tambourmajor (Tobias Zippel) eng umschlungen mit seiner Frau erwischt, sieht der ohnehin psychisch labile Soldat schließlich rot.

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Unter der Regie von Sabrina Schultheis setzen die spielfreudigen Darsteller die schwere Kost gekonnt in Szene – und kommen dabei ohne aufwendige Kulissen aus. Auch wem Büchners „Woyzeck“ das Abi verhagelt hat, sollte dem Drama im Bruno Goller-Haus eine Chance geben. Es lohnt sich, denn die große Tragödie des einfachen Soldaten funktioniert wunderbar auf der kleinen Bühne. So tief kann man Woyzeck selten in die wirren Augen schauen.

Es spielen: Sebastian Brings (Woyzeck), Paula König/Hella Marie Schmitz (Marie), Tobias Zippel (Tambourmajor), Wolfgang Pack (Doktor), Claus Weyers (Hauptmann), Ronald Zwick (Andres), Nora Viebahn (Margret/Käte), David Dörpinghaus/Michelle Sauer (Märchennarr), Maren Einnatz/ Theresa Strombach (Ankündigungsnarr), Natalie Noß (Musiknarr), Marlene Schadow (Pferdenarr).

Weitere Vorstellungen
Freitag, 18. Mai (20 Uhr), Samstag, 19. Mai (20 Uhr), Sonntag, 20. Mai (17 Uhr), Freitag, 25. Mai (20 Uhr), Samstag, 26. Mai (20 Uhr), Freitag, 8. Juni (20 Uhr), Samstag, 9. Juni (20 Uhr), Sonntag, 10. Juni (17 Uhr).

Quelle: https://www.oberberg-aktuell.de/archiv/Ein+intensiver+Blick+in+den+menschlichen+Abgrund+-o-133466

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