„Ein Appell an die Gesellschaft“

Fotos: Andrea Eischeid — Emma (l.) und Elli (2.v.l.) wollen ihre Mutter Sophia (3.v.l.) vor ihrem gewalttätigen Lebensgefhärten schützen und schicken sie in eine Heilanstalt um dort als Krankenschwester zu arbeiten.

GUMMERSBACH

Ein Appell an die Gesellschaft

Gummersbach – Zwei Schauspielgruppen, bestehend aus den „Inklusiven Jugendlichen“ und „Jungen Erwachsenen“, standen gemeinsam auf der Bühne und warben in dem fantastischen Theaterstück „Das Harlekin-Syndrom für ein toleranteres Miteinander.

Von Andrea Eischeid

 

Bevor Sophia den Fehler macht und ihren gewalttätigen Lebensgefährten heiratet, beschließen ihre erwachsenen Töchter Emma und Elli, dass ihre Mutter als Krankenschwester in einer Nervenheilanstalt arbeiten sollte, die ihr Onkel Alois leitet. Aber irgendetwas läuft gewaltig schief und Sophia findet sich in der Anstalt als Patientin wieder.

 

[Jeden Abend gibt es in der Anstalt Kontrollgänge von Krankenschwester Rosa, die bei den Patienten sehr gefürchtet ist.]

 

Hier freundet sie sich langsam mit den Mitpatienten an und ist erstaunt über die Gründe, warum so mancher hier festgehalten wird. Wie etwa die Lesbe Claudia, die von ihrem abartigen Verhalten geheilt werden soll, da es wider der Natur ist, gleichgeschlechtlich zu lieben. Zu Heilungszwecken werden auch Elektroschocks angewendet, die anschließend zu „Matsch in der Birne“ führen.

 

Sophia bemerkt die Ähnlichkeit bei Nina und Ralf und fängt an, nach einem Gendefekt zu forschen und macht eine wissenschaftliche Entdeckung, ähnlich wie John Langdon-Down, der das Down-Syndrom (Trisomie 21) erstmals unter wissenschaftlichen Bedingungen beschrieb. Sie spricht bei ihrem Onkel Alois vor und berichtet von ihrer grandiosen Entdeckung, dass die betreffende Genbesonderheit auf dem Chromosom 7 nachgewiesen werden kann – das Harlekin-Syndrom (Williams-Beuren-Syndrom). Alois ist begeistert, behält die Forschungsarbeit und gibt sie als die seine aus, da Sophia ja nur eine Patientin ist. Während alle anderen Mitpatienten versuchen zu flüchten, bleibt Sophia enttäuscht alleine zurück. Ihr Onkel Alois Beuren heimst Ruhm und Ehre ein.

 

Seit Januar haben die 16 behinderten und nichtbehinderten Schauspieler der Kulturwerkstatt 32 an dem grandiosen Theaterstück von Sabrina Schultheis, das Anfang der 1960er Jahre spielt, gearbeitet, um es so fantastisch auf die Bühne und ins begeisterte Publikum zu bringen. Es sind viele kleine Botschaften enthalten, die damals wie heute brandaktuell sind. Gelungen ist, dass die Menschen mit Behinderung auch ihre eigenen Behinderungen spielen, was das Schauspiel sehr authentisch macht. Auch die ein oder andere Behinderung wird in dem Theaterstück zum Thema gemacht, wie eben das Down-Syndrom. Die eindeutige Theateraussage: Es ist nichts Schlimmes dabei, eine Behinderung zu haben und die Öffentlichkeit sollte endlich lernen damit umzugehen.

 

[Die Mitpatienten kümmern sich um die Lesbe Claudia, die mit Elektroschocks von ihrer Abartigkeit geheilt werden soll.]

 

Es wurde auch absichtlich mit Vorurteilen gespielt. So ist Sabrina Schultheis der Meinung: „Auf der Bühne und dem Bildschirm müssen Menschen mit Behinderung immer noch um ihr Recht kämpfen, da immer noch Rollen mit Behinderung von nichtbehinderten Schauspielern besetzt werden. Das finden wir absolut falsch.“ Die Zusammenarbeit beider Kurse verlief völlig problemlos, jeder war offen für den anderen. So erzählte Sabrina Mann alias Krankenschwester Sarah: „Unsere Zusammenarbeit war unglaublich spannend und interessant. Wir haben tolle Erfahrungen gemacht und es gab keine Hemmungen.“ Und Nora Tietze, alias Elli, fügte hinzu: „Wir sind eine totale Einheit, da wir alle gemeinsam das gleiche wollen.“

 

Und dieses tolle, harmonische Zusammenspiel auf der Bühne, zwischen Behinderten und nichtbehinderten Menschen, übertrug sich auf das restlos begeisterte Publikum, das es mit frenetischem Applaus dankte. Wichtig ist für Aufklärung zu sorgen, denn auch Menschen mit Behinderung können ein glückliches Leben führen.

 

Eine letzte Vorführung des Stückes „Das Harlekin-Syndrom“ gibt es am Sonntag, 6. Oktober, um 17:30 Uhr in der Studiobühne der Halle 32. Karten gibt es an der Abendkasse oder können unter wolkending@web.devorbestellt werden.

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s