Artikel in der Theaterbörse: „Theater-Proben mit Video-Chats“ oder „Wie soll man denn so proben?“

Quelle: https://www.theaterboerse.de/magazin/theater-proben-mit-video-chats-oder-wie-soll-man-denn-so-proben/

 

Unsere Freunde von Wolkendinge.com machen es vor: Theaterproben mit Video-Chats in Zeiten von Corona.

Wir hoffen damit anderen Theatergruppen weiterhelfen zu können, neue Möglichkeiten des Probens zu finden und kreative Lösungen in diesen schwierigen Zeiten zu entwickeln.

Lest heute einen Erfahrungsbericht von unserer Autorin, Theaterpädagogin und Gründerin der Wolkendinge Sabrina Schultheis, den sie uns dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt hat:

 

 

Schon seit Wochen dürfen wir uns nicht mehr treffen, die Institutionen sind geschlossen und auch die aktuellen Regelungen verbieten es uns, uns wenigstens in einem Wohnzimmer zusammenzutun.

Bei uns sind im Juni sind Premieren geplant, aber ohne zu proben, sind die einfach nicht umsetzbar.

Also müssen wir nehmen, was wir kriegen können.
Damit wir uns wenigstens sehen und hören können, arbeiten wir seit Neuestem mit Video-Chats.

Ich muss zugeben, das habe ich mir am Anfang wenig sinnig und vor allen Dingen nervig vorgestellt, aber wenn sich alle darauf einlassen, dann kann es eben doch hilfreich sein:

1)     Auf einmal achtet man noch viel mehr auf die Sprache der anderen. Gerade bei uns auf dem Land, wo es evtl. zu Verzögerungen durch das mittelmäßige Internet kommen kann, wartet man die Sätze des anderen wirklich ab und hört dem Gegenüber zu.
Irgendwann sind gerade Amateure häufig an dem Punkt, an dem der Text „einfach so läuft“, man spult seine Sätze ab, ohne noch wirklich wahrzunehmen, was der andere eigentlich sagt. Das ist hier nun anders, weil man viel aufmerksamer sein muss.
2)     Bei den meisten Video-Chat-Programmen kann man sich genau aussuchen, wessen Bild man wie groß machen kann, so kann man sich seinen Gesprächspartner als einzigen auf den Bildschirm ziehen und die anderen Personen lenken nicht ab. Man kann schon hören, wie der andere den Text spricht, sieht, was sein Gesicht währenddessen tut und kann gemeinsam an Dialogen arbeiten.
Ich als Regie kann ihnen dabei zusehen, kann Dinge anmerken oder hinterfragen und doch bin ich nicht präsent. Es herrscht also nicht, wie es häufig in Proben der Fall ist, ein ständiger fragender Blick zu mir, sondern die Gesprächsteilnehmer konzentrieren sich aufeinander. Die anderen hören währenddessen (hoffentlich jedenfalls) zu.
3)     Eigene Bewegungen kann man schon ausprobieren. Im eigenen zu Hause fühlen die meisten Menschen sich besonders wohl, was den großen Vorteil hat, dass einige der Darsteller sich an Bewegungsmuster gewagt haben, die sie auf der Bühne vermutlich nicht angeboten hätten. Es gibt Szenen, in denen die Darsteller miteinanderreden, aber einzeln agieren und dies kann schon wunderbar trainiert werden.
4)     Ein ganz einfacher Vorteil: Wenn die Darsteller wissen, dass wir per Video-Chat proben und ja klar ist, dass der Text besonders im Fokus steht, lernen sie den Text viel mehr, denn sie können nur schwerlich etwas „überspielen“.
5)     Die meisten Darsteller haben gerade mehr Zeit, freuen sich über die „Abwechslung“ und so ist es bei meinen Kursen gerade so, dass sie de facto mehr proben als „normal“.
Auch sind viel einfacher kleine Proben mit nur zwei oder drei Leuten ansetzbar, die anderen muss ich nicht irgendwie beschäftigen, sie langweilen sich aber auch nicht und trotzdem ist der Aufwand für diese Zusatzproben quasi minimal. Nicht mal aus seiner Jogginghose muss man raus.

Nichts geht über das Theater, nirgendwo anders bin ich lieber als auf, an, vor oder hinter der Bühne und dass diese Corona-Krise mir das nimmt, nimmt mich wirklich mit.
Aber wir können nichts an der Situation ändern, also müssen wir machen, was wir können.
Und was wir machen können, ist die Traumwelt des Theaters trotzdem noch geöffnet zu lassen, Halt zu bieten in dieser verrückten Zeit und darauf zu bauen, dass wir uns bald wieder auf der Bühne treffen!
Und dann haben wir kein „Ferien-Loch“ und müssen von vorne beginnen, sondern wir haben eine phänomenale Grundlage, auf der wir aufbauen können. Die Texte stehen, viel Mimik und Gestik wurde schon ausprobiert und einstudiert und wir sind in diesen Teilen so sicher, dass wir locker in der Lage sein werden, miteinander zu spielen, aufeinander zuzugehen und Ideen, die sich während der seltsamen Probenzeiten mit Video-Chats ergeben haben, zu beschnuppern und umzusetzen.
Bleibt euch, dem Theater, der Kunst und den Darstellern treu!
Ich versuch es auch,
Sabrina Schultheis

Was wir spielen:
„Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“
Der Schauspielkurs „junge Erwachsene“ der Kulturwerkstatt32 taucht ein in das Leben von Christiane F.. Es wird packend, tragisch, manchmal lustig und ständig möchte man den Kopf schütteln und sagen: „Das kann doch wohl nicht wahr sein!“ und gleichzeitig wissen die Zuschauer: Es ist wahr.
Aufführungen sind am: 20., 22. und 24. Juni in Gummersbach.

„Aggertal-Saphir“
Ein Saphir wurde gestohlen! Und das natürlich von den bekanntesten Bösewichten der Weltgeschichte. Neben Bonnie und Clyde ist natürlich auch Al Capone hinter dem sagenhaften Edelstein her.
Doch natürlich sind auch die weltbesten Detektive an der Sache dran und versuchen alles, diesen Saphir wieder an seinen ursprünglichen Platz zu bringen.
Ob Sherlock Holmes sich von seinem Watson trennt und wie Miss Marple es findet, dass Justus Jonas ihr den ganzen Kuchen wegisst, erfährt man am 15., 17. und 22. Juni in Gummersbach.

Mehr Informationen natürlich auf Wolkendinge.com

 

 

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