Eine wahre Begebenheit, leicht eingekürzt, damit sie ein Ende findet.

Graz, Österreich, wir schreiben den 6. Juli 2016, Circa 18:21 Uhr.

Frau Elfriede D. schickt sich an, ihren 92. Geburtstag zu feiern.

Ja, Sie haben richtig gehört, ihren 92. Geburtstag!

Alles ist vorbereitet, die Kuchen stehen parat und im Gegensatz zu „Dinner for one“ kann Frau D. auch noch lebendige Gäste aufweisen- ob dies ein Vor- oder ein Nachteil ist, bleibt vorerst dahingestellt.

Alle liebenden und auch alle anderen Verwandten sind anwesend, zudem kann Frau D. erhobenen Hauptes mehrere Freunde zählen, die den mühsamen Weg auf sich genommen haben.

Nachdem gemeinsam ein paar fesche Hits geträllert wurden- darunter „Kein schöner Land“ und „Der Mond ist aufgegangen“-, passiert es: Das Telefon klingelt.

Bevor wir uns diesem einschneidenden Erlebnis widmen, müssen wir uns erst die Gästeliste genauer ansehen.

Anwesend sind:

Der Sohn, österreichischer Professor- ach, ich bekomme gerade die Information, dass er doch nur im Geiste anwesend ist, er brach sich rechtzeitig ein Bein, um der Veranstaltung fernbleiben zu können.

Nach neuesten Erkenntnissen waren wirklich anwesend:

Die Tochter, die es wagte, einen Deutschen zu heiraten, der den Mut aufbrachte, ebenfalls anwesend zu sein,

die kleine Schwester der Jubilarin, knackige 90 ½ Jahre jung und ein leuchtendes Beispiel für sprühende Demenz, und alle Mitglieder der Damenrunde- ja, kultivierte Damen haben eine Damenrunde.

Nun wollen wir uns wider dem einschneidenden Erlebnis widmen: Das Telefon klingelt.

Folgendes Gespräch entbrennt:

Tochter der Jubilarin: Mutti, das ist der Reinhard.

-Reinhard ist der Neffe der Jubilarin, der Sohn der kleinen Schwester, aber der geneigte Zuhörer wird dies auch so verstehen.

Schwester: Der will mich sprechen, ich bin seine Mutter.

Tochter: Nein, der will die Elfriede sprechen.

Schwester: Warum ruft der Reinhard dich an?

Tochter: Wer hat denn heute Geburtstag`?

Schwester: Ja, ich nicht.

Hat der Reinhard heute Geburtstag?

Tochter: Nein, die Mutti.

Schwester: Nein, ich habe nicht Geburtstag, hörst du mir denn nicht zu?

Tochter: Ich meine meine Mutti, die Elfriede, deine Schwester.

Schwester: Ich weiß wohl, wer meine Schwester ist, ich bin ja nicht senil.

Was will der Reinhard denn?

Tochter: Der Elfriede zum Geburtstag gratulieren.

Schwester: Der soll herkommen.

Schwester: Der ist in Rostock (circa 1.200 km entfernt- Anm. d. Red.)

Schwester: Dann soll er wenigstens anrufen, wenn seine Tante Geburtstag hat.

Tochter: (aufgebend) Ja, das wäre doch eine Idee.

Ach schau, da ist er auch schon am Apparat.

Schwester: Wer ist denn dran?

Tochter: Der Reinhard.

Schwester: Warum ruft der Reinhard dich an?

 

Gute Frage.

 

 

 

 

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